Warum ich bin wie ich bin
Hier kommt ein Modell. Ein Modell darüber zu erklären wie ich heute denke und auch funktioniere.
Ich hatte das Glück oder Pech bei AIRBUS eine Ausbildung zu durchlaufen, deren Ziel es war komplexe technische Systeme zu entwerfen, entwickeln, herzustellen, zur betreiben, zu unterstützen und auch wieder außer Betrieb zu nehmen. Ein voller Lebenszyklus über etwas sinnvolles also. Mit dieser Systems Engineering genannten Disziplin werden Raketen, Raumschiffe und Satelliten gebaut. Sie ist Standard im Militär und gefühlt allgegenwärtig in den USA. Diese Disziplin muss gründlich arbeiten, sehr gründlich um genau zu sein. Der Grund hierfür ist das potenzielle Verlustrisiko bei Systemversagen: Macht das Engineering einen Fehler stürzt das Raumschiff ab, es sterben Menschen oder ein sonstiges Desaster nimmt seinen Lauf.
Eine kleine aber wichtige Besonderheit dieser Disziplin ist es, dass Sie eine Ethik mitbringt, eine Ethik darüber wie verpflichtet sich die Mitglieder zu dieser Disziplin fühlen können, dürfen und sollen.
Ich wurde in Airbus ein Jahr lang gedrillt die Praxis dieser Disziplin zu verinnerlichen. Heute würde ich sagen, es grenzt schon fast an eine Religion. Das Handbuch hierzu mussten wir auswendig lernen und im Schlaf aufsagen können, denn es wurde geprüft, geprüft per Test im Prüflabor. Wir haben wochenlang gebüffelt.
Die einjährige Ausbildung wurde betriebsintern durch Vorlesungen begleitet. Ich durfte selbst eine Weile mal Vorlesungen an der Leibniz Universität Hannover halten und kann hier berichten, dass der Stoff kein Kindergeburtstag war. Die Vortragenden waren wirklich kompetent. Sehr kompetent. Darunter war einer der besonders war. Es war der Programm-Manager für die schwarzen Hitzekacheln an der Unterseite des Spaceshuttle. Er hielt eine Vorlesung über Programm Management und Systemversagen.
Ingenieure mögen kein Systemversagen. Also wurde uns ein Video gezeigt. Ein Video über die Explosion des Feststoffraketen am Spaceshuttle. Vielleicht erinnert ihr euch an diesen Unfall. Anschließend haben wir den Vorgang dann aufgearbeitet. Ursachenforschung betreiben heißt das in meiner Sprache.
Was war geschehen: Der Ingenieur hatte der Dichtung an einer der Feststoffraketen eine Einsatztauglichkeit unter bestimmten Umgebungsbedingungen bescheinigt. Nicht kälter als und nicht wärmer als X °Celsius. Wir sind uns sicher einig, dass es eine ganz blöde Idee ist auf tausenden Tonnen von Brennstoff zu hocken ohne etwas wichtiges, das beim Start wirklich dicht hält. Nun ist es in der Raumfahrt so, dass diese dicken Brummer nicht jederzeit starten können, sondern nur in einem bestimmten Fenster. Warum das so ist, soll hier unberücksichtigt bleiben. Nicht unberücksichtigt bleiben soll aber der Umstand, dass das Management entschied, wegen der Zahlungsmodalitäten und entgegen der Spezifikation, also außerhalb zulässiger Parameter das Shuttle zu starten. Mit den bekannten Folgen. Schade eigentlich, könnte man denken, blöder Fehler, ein wirklich ganz blöder Fehler. Peinlich, peinlich.
Das ist es nicht was mich antreibt. Was mich antreibt ist das Folgende: Das Management wurde im folgenden Gerichtsverfahren für schuldig oder unschuldig befunden, ich weiß es nicht mehr. Was mir aber geblieben ist, ist folgende Erinnerung: Der Ingenieur beging anschließend Selbstmord.
So nicht.
Das ist in Summe nicht ethisches Verhalten. Also ist mir dies Ehrgeiz genug, um vorwärts zu kommen in dem was ich anstrebe: Weg mit dem Unfug. Es gelingt nicht immer, aber immer besser.
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