Mein Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut hat mich in unserer letzten Sitzung gebeten Stellung zu nehmen. Stellung zu nehmen oder eine Position zu suchen zu etwas was ihm als Sorge berechtigt angetragen wurde. Wenn wir die finanziellen Nöte einmal außen vor lassen – weil sie medizinisch gesehen nicht relevant sind – reduziert es sich auf meine Gesundheit. Ein Teil mir nahe stehender Menschen befürchtet, dass ich mich wieder in eine Situation begebe, aus der ich aus eigener Kraft nicht wieder hinausfinde kann. Diese Sorge ist nicht unbegründet aber:
Ich bin guter Dinge und nehme eure Bedenken ernst.
Mit diesem, letzten Beitrag, will ich versuchen zu erklären wie es weiter gehen kann. Es ist nicht ganz einfach zu begreifen, aber vielleicht gelingt es hiermit gemeinsamen einen Weg in die Zukunft zu finden. Die Geschichte beginnt in der Informationstechnik. Die Amerikaner sagen Informationstechnologie dazu – aus gutem Grund.
Wir sind uns sicher alle darin einig, dass die USA und bestimmt auch viele andere Länder wie beispielsweise Estland hier um einiges voraus sind. Sie befinden sich sozusagen in der Zukunft. In einer Zukunft die wir hier noch vor uns sehen. Wie es der Zufall so will, haben die USA und andere Länder den Weg wie man in diese Zukunft gelangt in ein Buch eingetragen. Die Geschichte über dieses Buch findet ihr hier. Und eben diese Zukunft ist in meinem Kopf. Ich hab sie auswendig gelernt und kann sie im Schlaf aufsagen. Sie ist wie eine Art Chip der mich ständig begleitet und den ich nicht mehr ausschalten kann.
Alles was ich anbieten kann ist hierfür als Medium zu funktionieren. Als Medium in einem sozialen Umfeld so zu arbeiten, dass meine Belange ernst genommen und mir Vertrauen ausgesprochen, Verständnis und Wertschätzung entgegengebracht werden. Damit kann ich helfen manch schlechtes zu einem Besseren zu wenden, das hilft Sinn zu stiften, dort wo Unsinn herrscht. Dies gelingt mir zusehends besser und gibt mir Hoffnung wo früher keine war.
Soweit mein Status
Bleibt noch die Gesundheit. Eigentlich weiß ich nicht wirklich, ob ich gesund bin. Ich kann es deshalb nicht wissen, weil der Begriff nicht „mir“ gehört. Klar, wir werden oft beiläufig gefragt ob es uns gut geht oder ob wie wir uns fühlen. Aber wenn dass Wort Gesundheit ins Spiel kommt, dann ist irgendeine erfahrene Beeinträchtigung im Spiel. Ich hab Schmerzen im Knie oder so. Wie es in meinem Kopf über die Gesundheit bestellt ist kann ich nicht wirklich sagen außer: Ich fühle mich gut. Also bin ich dafür kein Experte.
Allerdings kann ich eines sehr sicher sagen: Während ich diese Zeilen schreibe und in der Zeit, in der durch meinen Arzt aufgefordert werde mich immer wieder aufs neue zu rechtfertigen für etwas das ich längst bin, dann empfinde ich das zunehmend als eine unangemessen hohe kognitive Last. Wenn ich dies regelmäßig tun müsste, immer und immer wieder meinen gesammelten Weg darzulegen und dadurch zu verteidigen oder erklären, dann würde meine mentale Gesundheit, mein Wohlbefinden auf Dauer darunter leiden. Interessanterweise ist dies sehr ähnlich dem, was ich vor zehn Jahren als einen Arbeitsunfall gemeldet habe und der bis heute unbeantwortet geblieben ist.
Heute kann ich diese Kognitive Last gut kontrollieren und immer besser beherrschen. Ich habe soviel Vertrauen in mir gefunden, dass ich schließlich offen sagen kann: Ich will es mal versuchen. Wir sind am Ziel der Reise angelangt. Ich will es jetzt versuchen, auf eigene Faust. Ich trau mich in mein Leben.
Dr. Rauber, ich bedanke mich für ihre Hilfe - Sie waren großartig.
