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Der vorläufig größte anzunehmende Unfall in der Geodäsie #1

Ich bin noch eine Erklärung schuldig. Eine Erklärung darüber, warum ich mir eine nun fast zehn Jahre dauernde Pause gegeben habe. Die Motivation rührt daher, dass in meiner „neuen“ Profession, dem Systems Engineering, mit wirklich bösen und vermeidbaren Fehlern für deren Existenzberechtigung geworben wird. Vielleicht kann dieser Beitrag helfen ein wenig mehr Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Geschichte beginnt witzigerweise in Dortmund, der Stadt in der ich die Berufsschule besucht habe um meine Ausbildung als Vermessungstechniker zu absolvieren. Das was so um 1990 herum. Ich durfte einer der ersten sein, die den ALK-GIAP testen und seine die Bedienung üben durften. An die Fachfremden unter euch: ALK-GIAP steh für Automatisierte Liegenschaftskarte-Graphisch-Interaktiver-Arbeitsplatz. Ein Wortungetüm hinter dem sich nichts anderes verbirgt als eine Applikation zur Dokumentation von Grenzen, Grenzen über den Rand von Eigentum – also Flurstücken.

Zu der Zeit wurden wir darüber belehrt, dass uns Messfehler teuer zu stehen kommen können. Beispielsweise sei in Düsseldorf der Preis für ein Grundstück in zentraler Lage so hoch, dass ein Messfehler von nur 1 cm eine Änderung des Kaufpreis von 100.000 DM bedeuten würde. So was flößt Respekt ein.

Nun springen wir ins Jahr 2015. Einem Jahr, in dem ich ausgestiegen bin aus einem System, dass nicht länger meines sein konnte. Zu der Zeit war es eine meiner Aufgaben eine Lösung zu finden. Eine Lösung, die es meinem damaligen Arbeitgeber AIRBUS Defence & Space erlauben würde, die Grenze von etwas sehr großen mit Karten und Daten zu dokumentieren und damit auch sichern zu können. Diese Grenze war die Grenze um das schöne aber auch ziemlich heiße Land Saudi-Arabien. Das Projekt hierzu lief schlecht. Um ehrlich zu sein: Katastrophal. Mein Arbeitgeber hatte gerade gelernt, dass es keine gute Idee ist sich ausschließlich auf das vom Bund bereitgestellte V-MODELL XT zu verlassen und begonnen eigene Prozesse zu entwickeln und zu leben.

Ein wichtiger Schritt in diesem Projekt war es herauszufinden, wie es denn um die nationale industrial base, also das Leistungsvermögen der nationalen Unternehmen rund um die Geodäten bestellt sei. Also setzte ich mich in den Flieger und machte mich auf den Weg nach Riad, der Hauptstadt von Saudi Arabien. Die Agenda sah ungefähr wie folgt aus: Ein GIS-Symposium mit beigeordneter Messe (btw.: eine Leistungsschau ) besuchen, um mal einen Überblick zu gewinnen.

Viele von euch wissen bestimmt, dass Saudi Arabien einer der wichtigsten Erdöl-Exporteure auf unserem Planeten ist. Allerdings verhält es sich so, dass das Land nur über sehr eingeschränkte Kapazitäten verfügt, diese Ressourcen selbst auszubeuten. Das Ergebnis meiner damaligen Recherche war, dass die USA und das Königreich von Saudi Arabien ein Joint Venture abgeschlossen hatten, um den Schatz zu heben – mit zumindest für mich bizarren Auswirkungen: Saudi Aramco verfügt über eigene Busse und eine eigene Flugzeugflotte, über eigene Schulen und eine eigene Gesundheitsversorgung, eigene Wohnquartiere und vieles mehr. Und alles nur deshalb, weil der Staat schlichtweg nicht im Stande ist einen Standard zu bieten der es attraktiv erscheinen lässt.

Nun gut. Auf zur Leistungsschau, auf zur besagten Messe. Man muss kein Wirtschaftsingenieur sein, um recht schnell zu begreifen dass sich hier alles, ja wirklich alles um das schwarze Gold dreht. Sehr präsent waren Unternehmen zur As-Built-Dokumentation von Pipelines. Keine Behörde, kein Katasteramt, kein Umweltschutz. Nix.

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