In diesem Beitrag geht es um das Bewältigen von Irgendwas. In der Sprache unseres Landes hat es sich ja eingebürgert den Begriff für Management immer genau dann zu verwenden, wenn irgendwas schwieriges vor der Tür steht. Etwas das so gewaltig ist, dass man dafür qualifiziertes Personal benötigt. Manager eben.
Ich möchte euch mit diesem Beitrag eine Perspektive geben, wie ich es schaffe mich mit dem Willen oder der Absicht des Begriffs Management in deutscher Sprache zu arrangieren. (Wir könnten hier ein bisschen über Mehrdeutigkeiten und Entropie reden, aber das heben wir uns für später auf.)
Eine kleine Recherche bei meinem Freund Google empfiehlt mir (meine Ergebnisse sind personalisiert) rät mir, die Wikipedia hierfür zu besuchen. Und siehe da. Die kollektive Intelligenz der Gemeinschaft ist zu dem Konsens gelangt, das Management am besten so zu begreifen ist.

Die Quelle schlägt vor, für eine wörtliche Übersetzung die Wortfolge „an der Hand führen“ zu verwenden.
Ich bin ein Kind der Generation Golf, geboren 1970. Ich tue mich wirklich schwer mit dem Begriff führen. Ich empfinde das Wort als geradezu abstoßend, wenn nicht sogar als widerlich. Das hat auch mit dem Schulunterricht in meiner Jugend zu tun. Wir haben an meiner Schule damals ziemlich ausführlich den Schaden aufgearbeitet, den Adolf Hitler & Co im dritten Reich verursacht hat. Wenn ich heute so zurückblicke, dann wurden wir geradezu darauf gedrillt, die Verbrechen des "Führers" und seiner Schergen niemals zu vergessen. Wir sind uns bestimmt einig darin, dass wir uns da nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben. Also ist die Sache mit dem "Führen" per Se scheinbar keine so gute Idee.
Also verbietet sich mir der Begriff führen (zunächst).
An der Hand
führen
Eine andere Quelle, das „Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache“ meint über Management folgendes zu wissen:

Hier wird aus führen schon mal leiten. Das kommt nicht so brutal daher und wirkt ein wenig milder, wenn wir mal die Verantwortung weglassen. Außerdem lässt sich der Begriff leiten auch physikalisch besser greifen. Ihr erinnere mich noch gut an meine erste Schulstunde zu Physik, in der wir Strom durch einen Leiter geschickt haben um eine Glühbirne zum Leuchten zu bringen. Also lässt sich das Verb leiten schon mal ganz gut substantivieren und damit dann auch personifizieren. Einer*m Leiter*in lassen sich schon mal wichtige Dinge antragen und dabei trifft man gelegentlich auf Widerstand. Wenn die*der Leiter*in zu viel Last zu tragen hat, dann brennt sie*er schon mal durch – ein Burnout eben. Passt für mich.
Halten wir also vorläufig fest:
An der Hand leiten
ist schon mal besser.
Der Blick in das Gesetz zeigt uns, dass der Begriff Leiter*in durchaus seine in Kraft getretene Berechtigung erfährt. Beispielsweise finden sich Leiter*inen in §5 der Arbeitsordnung für pädagogische Kräfte der Volksbildung, kurz LehrErzVDBest. Da heißt es wörtlich:

Dies ist trockene Materie. Sie macht keinen Spaß macht und bereitet wenig Freude. Aber:
Leiten ist Legal.
So ganz am Ziel des Arrangements sind wir aber immer noch nicht. Für mich fühlt sich führen an wie an wie die Arbeit an der Säge in der Werkstatt meines Tischlers: Um aus EINS ZWEI zu machen, legt er ein Brett an der Schiene seiner Säge an und schiebt. Kein Spielraum. Nichts. Führen ist auch ein bisschen wie Bahn fahren. Der Zug rollt auf dem Gleis seiner Zukunft entgegen – Spurwechsel und Ausweichen ausgeschlossen – es sei denn, ja es sei denn die*der Fahrdienstleiter*in stellt die Weichen anders.
Leiten fühlt sich an wie: Ist nicht unbedingt kompetent, ist aber in der Lage die Truppe hinter sich zu versammeln, um auf ein gemeinsames Ziel hin zu arbeiten. Leiten hat auch ein bisschen mit dem Verkehr auf der Straße oder der Autobahn zu tun. Beim Stau beispielsweise wird der Verkehr umgeleitet. Also ist der Kontext um das Wort leiten schon mal mehr in einer endlich abzählbaren Menge von Autos zu suchen, im Strom eben.
Mein Arbeitsunfall hat bewirkt, dass ich heute deutlich anders denke als früher. Mein Trauma hat mein Gehirn – sagen wir mal – neu verdrahtet. Diese neue Verdrahtung ist besonders effizient und auch sehr wirksam in meiner Umgebung, weil in mir nur noch das übrig blieben konnte, was das unmittelbare Überleben im menschlichem Miteinander sicherstellen kann, weil ich alles verloren habe, worauf ich jemals bauen konnte. Das ist aber nicht weiter schlimm für mich.
Wir nutzen jetzt mal diese neue Fähigkeit und fragen danach wer oder was denn auf dieser Welt in Summe gesammelt und über alle Zeit hinweg dafür Sorge trägt, ermöglicht und verantwortet, dass wir dieses Irgendwas bewältigen können? Dämmert es? Richtig, es sind unserer Eltern. Und wie tun sie das?
An die Hand nehmen
Also nehme ich uns hiermit mal an die Hand. Gute Praxis zum Management findet ihr hier, hier und wer es europäisch mag hier. (Wer sich wundert, warum dies grundsätzlich auf Webseiten der Köperschaften öffentlichen Rechts verweist, dem gebe ich mit: Ich plane noch eine kleine Überraschung für euch. Bis dahin bitte ich um Geduld.)
Ich verspreche: Wer das zuvor genannte beherzigt ist besser in der Lage Irgendwas zu bewältigen.
Kleiner Hinweis für das Learning Reinforcement: Ich halte Informationsasymmetrien, insbesondere dann, wenn Sie durch schlechte Steuerung (mit Steuergeldern) geschaffen werden für keine gute Idee. Wer zum Henker hat sich das ausgedacht? Ich komme mir vor wie im Gefängnis wenn ich mit den Autoren des Handbuchs reden will. Peinlich.
Cheers,
Carsten
