Ein freundliches Hallo von der stillen Mitte
Ich hab lang gezögert mit diesem Beitrag, ziemlich sicher deshalb, weil ich mal wieder dem einen oder der anderen gegen den Karren fahre, dafür bin ich ja bekannt: Gewalt zu teilen, um das Regieren zu verbessern.
Zu Beginn größerer Herausforderungen wie dieser hab ich früher immer meinen alten Chef Markus Schwenkglenks @ AIRBUS gefragt, wie das denn gehen soll. Er sagte: „Du musst die Leute abholen, jeden einzelnen.“ Also will ich das mal tun.
Wir beginnen wie immer Top-Level. Direkt im Krater des Vulkans. Wir steigen ein im Bundesprogramm „Demokratie leben“, ins Leben gerufen von Lisa Paus und aktuell verantwortet von unserer Familienministerin Karin Prien. In diesem Beitrag geht es nicht um Politik. Es geht um schlechtes Design. Und die Gründe dafür.
Ich habe mich heute morgen durch die Landschaft zur Förderung von Irgendwas unserer Regierung gewühlt, immer hübsch auf der Such nach neuen Gelegenheiten für mein Geschäft. Akquise heißt das glaub ich. Dabei bin ich auf das das zuvor genannte Programm „Demokratie leben“ gestoßen.
Auf Seite Neun der insgesamt 22 Seiten der Förderrichtlinie heißt es da:
Ziel des Bundesprogramms ist es, zur Stärkung der Demokratie und eines friedlichen, respektvollen Zusammenlebens beizutragen, Teilhabe zu fördern und die Arbeit gegen jede Form von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit zu ermöglichen.
Ich würde anregen, dass mal wie folgt umzuformulieren – damit die Botschaft etwas klarer wird. Wer tiefer in die Materie einsteigen will wie so etwas geschehen kann, dem empfehle ich hierfür das Business Motivation Model der Object Management Group. Das ist zwar in englischer Sprache, nutzt aber die selben Begriffe.
END: friedliches, respektvolles Zusammenleben
MEANS: Demokratie
QUALITÄT: einen Beitrag gegen Menschenfeindlichkeit in Gruppen zu leisten.
Mein Entwurf, erste Iteration: Aufgabe: Ziel und Mittel, Qualität spezifizieren:
Ziel ist es das ZIEL friedliche uns respektvolle Zusammenleben durch MITTEL TECHNOLOGIE Demokratie zu ermöglichen. Das Programm will einen EFFORT Beitrag gegen QUALITÄT Menschenfeindlichkeit leisten, dadurch dass es Arbeit bei Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht.
Gefällt mir schon ganz gut. Ziel und Mittel wären definiert. Nur bei der Qualität hakt es. Die Motivation ist fehlerhaft weil sie negativ, also gegen etwas erfahrenes, nämlich Feindlichkeit wirkt. Also formulieren wir dies um zu:
Mein Entwurf, zweite Iteration: Aufgabe Perspektive Qualität überarbeiten:
Ziel ist es das ZIEL friedliche und respektvolle Zusammenleben durch MITTEL TECHNOLOGIE Demokratie zu ermöglichen. Das Programm will QUALITÄT Menschenfeindlichkeit dadurch bekämpfen, dass es Teilhabe an der Gesellschaft durch Gruppenarbeit ermöglicht.
Zur Rationale
Über das Ziel müssen wir vermutlich nicht lange diskutieren. Wir sind uns ziemlich sicher alle einig darin, dass es klug ist friedlich und respektvoll miteinander umzugehen. Denn wenn wir dies nicht tun ist eines guten Tages der Tisch zwar reich gedeckt aber niemand mag mehr kommen um davon zu nehmen.
Beim Begriff Technologie wird die Sache da schon schwieriger. Vielleicht versuchen wir es mal so zu verstehen wie die Bundeszentrale für Politische Bildung wenn sie im Lexikon der politischen Begriffe versucht die Demokratie von anderen Dingen wie Kommunismus, Sozialismus oder Diktatur abzugrenzen. Versteht mich hier bitte nicht falsch, ich bin kein Politologe, it’s just Systems Engineering. Diese Technologien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Qualität oder besser ausgedrückt: Werden durch eine verschiedene Qualität unterscheidbar.
Kommen wir also zur Qualität: Da hätten wir Menschenfeindlichkeit und Demokratiefeindlichkeit. In meiner Welt sind dies Merkmale eines Systems über das „friedliche und respektvolle“ Zusammenleben. Wenn wir auf die letzte Silbe der beiden Wörter blicken fällt uns auf, dass diese „-keit“ enden. Solche Qualitäten sind typisch für’s Systems Engineering. Eine komplette Liste darüber findet ihr in englischer Sprache hier. Wir nennen sie einfach die „-ilities“.
Jetzt verhält es sich so, dass jedes Wort, das auf „-feindlichkeit“ endet nichts Gutes verheißt. Es ist eine Bedrohung des Status Quo. Also ein möglicher Exit aus einem stabilen Zustand. Zur Untersuchung solcher Szenarien wird typischerweise eine „Vulnerabiltiy Analysis“ verwendet. Das ist Standard in der Verteidigung. Einen möglichen Einstieg in das Thema liefern hier S. Malerud & H. Fridheim vom Norwegian Defence Research Establishment (FFI), Kjeller, Norway mit ihrer Veröffentlichung „Security risk and vulnerability analysis in military operational planning: The why’s and how’s“, erschienen in der Reihe „Safety and Reliability – Safe Societies in a Changing World – Haugen et al. (Eds)“ bei © 2018 Taylor & Francis Group, London, ISBN 978-0-8153-8682-7
AS-BUILT NATIONAL DESIGN
Leider ist Europa, genauer gesagt die Europäische Raumfahrt bei der Vulnerability Analysis in Luft- und Raumfahrt leider auf der Software-Ebene hängen geblieben. Mein alter Brötchengeber AIRBUS (unbezahlte Werbung) hat mittlerweile einen eigenen Bereich zur Cyber Security. In Deutschland hängen die Ergebnisse der Vulnerability Analysis vielleicht hier.
Alles in allem ziemlich fragmentiert und wenig zusammenhängend würde ich sagen. Schauen wir mal was andere können:
AS-BUILT NON-NATIONAL DESIGN, USA
In weiter vorangeschrittener Technologie (etwa 10 Jahre vor unserer Zeit) werden solche „feindlichkeiten“ durch eine Analyse aufgedeckt. Eine Analyse die Bedrohungen dadurch bekämpft, dass sie Schwachstellen von etwas identifiziert und durch Verteidigung bekannte Verwundbarkeiten bekämpft. In den USA gibt es eine Behörde, die sich hiermit beschäftigt, die Nationale Initative für Cybersecurity Careers und Studies. Wenn wir bedenken, das sich unserer Jugend gerade heute in den sozialen Medien wie Insta, Facebook und Co verliert eine ganz passende Maßnahme, finde ich.
Engineering Change Request
Ich schlage also vor wir überdenken mal unser Design. Zeitnah. Ich will noch folgende Begründung mitgeben. Es ist lediglich ein Indikator und kann vielleicht ein Indiz dafür sein, dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Die Geschichte beginnt im Sport. Wir sollten dafür vielleicht nicht gerade bei den Griechen und ihrer Olympiade beginnen aber …
Was mag wohl das Wertvollste Asset in einem Sportverein sein? Wo findet sich das größte Vermögen? Ist des das Geld der Mitglieder, dass der Kassenwart hütet?
MÖÖÖP - Falsch.
Ist es das Team, dass in der ganz oben auf der Liste steht?
MÖÖÖP - auch falsch.
Was kann so wertvoll und wichtig sein dass es besonders geschützt werden muss? Es ist:
TAAADAAAA: Der eingetragene Verein.
Denn er ist es, der uns Demokratie leben lässt und dem der Schutz durch Geschwätz, sorry Gesetz gewährt wird.
Wer’s nicht glaubt, schaut selbst. Hier steht es schwarz auf weiß.
Soweit die Fakten und sie sind unbestritten. Jetzt zur leidigen Pflicht.
Im Verein gibt’s Gremien. Diese werden in der Satzung festgelegt. In meinem Lieblingsverein heißen diese Gremien Organe. Das sind die Mitgliederversammlung (aka Aufsichtsrat, Kontrollorgan), der Vorstand (Executive Committee) und der Beirat (Governing Body). Und eben diese Gremien werden in den allermeisten Fällen durch Menschen mit Leben erfüllt, die sich freiwillig engagieren, dies also der Ehre halber tun.
Bekanntlich tut sich der Sport zurzeit schwer mit dem Ehrenamt, sehr schwer. Im aktuellen Bericht über den Status des Sports (Sportentwicklungsbericht) heißt es auf Seite 1 wörtlich:
Die Bindung und Gewinnung von ehrenamtlichen Funktionsträger*nnen stellen 17,5 % der Vereine vor existenzielle Herausforderungen.
In meiner Sprache droht also Versagen, Versagen eines Systems zur Wahrung friedlichen und respektvollen Zusammenlebens durch gelebte Demokratie im freiwilligen Engagement.
Mit ein ganz klein bisschen Six-Sigma auf nationaler Ebene lässt sich also festellen:
Houston, we have a problem.
Hiermit beantrage ich die Aufnahme des Sports in das Bild zur Lage über die Sicherheit friedlichen und respektvolle Zusammenlebens in kybernetischen Systemen, oder genauer Sicherheit kybernetischer Systeme.
Fazit
Sicherheit kybernetischer Systeme = Cyber-Security
Noch wichtiger Hinweis an das Learning-Reinforcement-System:
Vereine müssen das nicht tun. Die Demokratie leben meine ich. Wir wollen Sport. Aber wenn wir uns nur noch als Laufgemeinschaft wegen unserer Fitness zusammenfinden bleibt schon was auf der Strecke, findet ihr nicht?
So long,
Carsten
