Vielfalt im Sport

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Vielseitigkeit im Sport sichtbar machen

Eigentlich wollte ich etwas darüber schreiben, wie die Information über die Verantwortung im freiwilligen Engagement aktuell dargestellt wird. Das muss leider warten. Mir sind andere Dinge wichtiger.

In diesem Beitrag soll es darum gehen, den relevanten Stakeholdern und zuvorderst dem BISP etwas auf die Sprünge zu helfen, das tiefe Tal der Tränen zu verlassen und mit einer Perspektive zu versehen, welche die gesellschaftliche Bedeutung des Sports durch einen gemeinnützigen Verein kritisch würdigt.

Unsere Reise beginnt beim Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn, kurz BiSp. Das BiSp erstattet regelmäßig Bericht darüber, wie es um den Zustand des Sports in unserem Lande so bestellt ist. Diese Veröffentlichung trägt den schönen Namen Sportentwicklungsbericht. Ob der Name klug gewählt ist, lassen wir hier mal beiseite. Uns geht es um den Inhalt. 

Auf rund 100 Seiten werden Fakten zusammengetragen, Daten aufbereitet und die Ergebnisse einer breiten Leserschaft präsentiert. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist es Absicht der Autoren mittels eines Panels ein Bild über die Lage des Sports in unserem Lande zu erstellen, kurz: 

"Wie ist es um Sport bestellt?" 

Wenn die Autoren alles richtig machen, dann kann mit ein bisschen Glück und ganz viel Zusammenarbeit beim Leser ein Bewusstsein darüber geschaffen werden, in welcher prekären oder komfortablen Lage sich der Sport denn nun befindet.

Ich verfolge die Berichterstattung hierzu nun schon eine ganze Weile und darf euch hier berichten, dass seine Lektüre alles andere als gute Laune verbreitet. Im Gegenteil. Wer dies liest, wird depressiv. Das Engagement geht zurück, die Probleme bestehen unverändert und so fort. Wenn wir es genau nehmen, ist der Lagebericht eigentlich nichts anderes als eine Kartierung. Eine Kartierung über den bestehenden Schaden am Sport. 

Kartierungen über Schäden spenden keine Hoffnung.  

Ich habe mir überlegt, wie es uns besser gelingen kann, den Lagebericht in etwas zu verwandeln, dass den Geist des Sports in sich trägt und seinen ausgedrückten Willen hierüber einem ausgewählten Akteur, der Verwaltung (Administration) sichtbar anträgt. Wenn dies gelingt, kann effektive Politik einen konstruktiven Beitrag dazu leisten, die Position des Sports zu räumen, zu behaupten oder sogar auszubauen.        

# Schritt 1 – Anforderungen

Alles beginnt mit den Zielen eines gemeinnützigen Sportvereins. Diese Ziele sind in den meisten Fällen in der Satzung festgehalten. So heißt es beispielsweise in der Satzung meines Bergsportvereins:

Als ideelle Mittel zur Verwirklichung des Vereinszweck dienen (unter Anderem):

  • Ausbildung
  • gemeinschaftliche […] Unternehmungen
  • Jugendhilfe
  • Familienarbeit
  • Versammlungen

Das ist erstmal nichts Neues, denkt man. Geradezu langweilig. Stimmt. Auch mein Verein bildet aus, unternimmt irgendwas, hilft der Jugend, der Familie und hält Versammlungen ab. 

# Schritt 2 – Überprüfung des Bestands in der Sicht des Akteurs Administration

Der kleine aber besondere Unterschied, den wir jetzt machen besteht darin, einmal zu schauen welche Aufgaben die öffentliche Verwaltung heute denn so wahrnimmt: 

# Gesundheitsfürsorge

Jeder kennt sie, die Krankenkasse, den Arzt, die Apotheke. Sie alle kommen, um zu helfen wenn es uns nicht gut geht. Sie treten ein für ein gesundes Leben. Was einst mit Heilbehandlungen begann ist heute ein ausgefeiltes System, das manchmal sogar präventiv, also vorbeugend tätig wird.

# Ausbildung

Jeder von uns weiß, dass es die Kommunen sind, die unseren Kindern Bildung durch den Besuch von Kindergärten, Grundschulen und andere Schulformen zu teil werden lassen.   

# Gesellschaft durch Teilhabe

Wenn wir heute den Begriff Teilhabe hören, erinnert uns dies zunächst an Menschen mit Einschränkungen. Es sind die Integrationsbeauftragten, die mit besonderen Angeboten dafür sorgen, dass Menschen, die nicht so einfach den Weg in die Gesellschaft finden können, nicht benachteiligt werden. Das Konzept über Teilhabe ist aber deutlich breiter angelegt, es geht um nichts anderes als das Miteinander in einem sozialen System, um die Gesellschaft zu bewirken. Hierzu zählen demnach Altenheime, Pflegeheime, das Jugendzentrum von Nebenan, Einrichtungen zur Tagespflege. Aber auch Feste wie das Schützenfest, der Jahrmarkt, ein Kino oder der Theaterbesuch zählen hierzu. 

# Jugendhilfe

Wir sind uns sicher einig darin, dass unsere Kinder und die heranwachsenden Jugendlichen unseres Schutzes bedürfen. Sie bedürfen unseres Schutzes, weil sie ihr Leben noch nicht allein bewerkstelligen können. Also nehmen wir sie an die Hand, bringen sie zum Freund oder Freundin und holen sie des Nachts gegen Zwölf von der besten Party ab, um sie sicher nach Hause zu bringen und auch dort zu wähnen. Nicht alle Kinder genießen den Komfort, in stabilem Umfeld aufzuwachsen, das Trost spendet und Hoffnung gibt auf ein selbstbestimmtes Leben. Also hilft der Staat mit Jugendheimen, Jugendfreizeiten und vielen anderen kreativen Ideen die es der heranwachsenden Jugend erleichtern sollen ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.   

# Familienarbeit

Junge Familien sind verwundbare Gruppen. Sie sind deshalb vulnerabel, weil ihnen durch den Nachwuchs eine neue Verantwortung erwächst, deren Rolle erst noch gelernt werden will. Kinder setzen der eigenen Selbstentfaltung oft enge Grenzen und manches Problem kann nur noch im Team gelöst werden. Damit dies besser gelingen kann, gibt es in Baden-Württemberg dafür bspw. das Stärke-Programm. Es bietet Bildung für Eltern und Familien, bietet Orientierung und schafft Erleichterung für neu gewachsene Verpflichtungen.

# Versammlungen

Die zahlenmäßig größte Versammlung innerhalb einer Kommune ist die Bürgerschaft. Die Menge aller gemeldeten Einwohner mit Bürgerrechten (soweit ich das verstehe). Daneben gibt es andere Versammlungen wie den Gemeinderat, ein Bürgerforum oder vielleicht auch Initiativen. Versammlungen sind Ereignisse, bei denen Menschen ein gemeinsames Anliegen miteinander teilen, um friedlich, im Konsens und manchmal auch kontrovers einen Diskurs zu führen. Ein Diskurs darüber, dass der Zusammenhalt gewahrt bleibt und die Interessen der Akteure gehört, gewahrt und geschätzt werden.

Soweit zu den wahrgenommenen Aufgaben der öffentlichen Verwaltung eines sozialen Systems zum Erhalt der Gemeinschaft.   

# Schritt 3 – Blaupause einer Architektur zur Integration gemeinnütziger Leistungen in die Administration 

Was wir nun tun, ist folgendes. Wir bilden die erbrachten Leistungen des Sportvereins im Aufgabenspektrum der öffentlichen Verwaltung ab. Damit stellen wir sichtbar dar, welchen Dienst ein Sportverein der Gesellschaft erweist. Etwas breiter formuliert könnten wir es so ausdrücken: 

Wir stellen die Auswirkung der Arbeit im Verein in der Sicht der Administration dar. 

Für diesen einen Akteur wird somit unser Handeln als persönlicher Vorteil, als Ersatz oder Vorwegnahme eigener Pflichten erkennbar. Die Administration erlangt damit nicht nur Erleichterung, sondern auch ein Bewusstsein über die Situation in der sie sich befindet: 

Hier beginnt eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft, die sich freiwillig und ohne Zwang wichtiger gesellschaftlicher Aufgaben annimmt. 

Synthese:

Es ist diese Kenntnis der eigenen Situation, die helfen kann, klug und überlegt zu handeln, um die Lage des Sports insgesamt zu verbessern.

Schritt 4 – Implementierung

Bleibt noch festzuhalten, wie dies gemessen sichtbar darstellbar werden kann: 

1. Förderung der körperlichen Gesundheit (physical health)

  • Leistung nach Sportart gemessen in: Summe Ereignisse x Dauer Ereignis 
  • Leistung nach Altersgruppe gemessen in: Summe Ereignisse x Dauer Ereignis

2. Förderung der Gemeinschaft (mental health)

  • Leistung gemessen in: Summe Ereignisse Veranstaltungen mit mehr als 1 Teilnehmer  

3. Förderung des Demokratieverständnis

  • Leistung gemessen in: Summe Ereignisse Gremienarbeit

4. Förderung des Jugendarbeit, Familienarbeit

  • Leistung gemessen in: Ereignisse Bildung Jugend, Familie
  • Leistung gemessen in: Ereignisse Gremienarbeit Jugend, Familie
  • Leistung gemessen in: Ereignisse Freizeiten Jugend, Familie

5. Entwicklung, Selbstbestimmung und Entfaltung (Maslov)

  • Leistung gemessen in Ereignisse zur Aus-, Fort und Weiterbildung

7.Zivilgesellschaftliches Engagment

  • Leistung gemessen in: Anzahl freiwillig engagierte Mitglieder
  • Leistung gemessen in: Stunden Arbeit freiwilliges Engagement

Schritt 5 – Evaluation

  • noch aufzulösen

Cheers,
Carsten