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Code guter Kriegsführung: Ausstieg aus dem Karbon

Ich habe uns aufgeschrieben, was für den Ausstieg aus dem Kohlenstoff zu tun wäre, wenn wir das denn wollen. Es ist auf jeden Fall eine Diskussion wert. Ich habe mir Mühe gegeben, dass es für alle verständlich ist. Lasst mal hören, ob es euch gefällt. 

Wenn ich Befehlshaber über meine Erde wäre, was würde ich mir wünschen?

Einen Monitor. Ein Monitor, der mir anzeigt, wo etwas geschieht. Im besten Falle also gar nichts. Wir wissen alle, dass dies nicht realistisch ist. Immer passiert irgendwas. Also mildern wir die Forderung ab zu „Die Veränderungen sind unauffällig“. Wissenschaftlich ausgedrückt ohne Theorie zur Information bedeutet dies, einen Messfehler bei der Beobachtung zu erhalten, der einem weißen Rauschen nahe kommt.

Der eine oder andere kennt vielleicht noch das Bild vom guten alten Fernseher, nach dem das Testbild seinen nichtssagenden Zweck erfüllt hatte: Rauschen über Rauschen.

Wenn wir erfolgreich den Klimawandel bewältigen wollen, kommt uns dieses Rauschen zugute. Wir machen folgendes: Für jede Entnahme eine weißen Punkt auf dem Bildschirm am Ort der Entnahme und für jede Gegenmaßnahme einen schwarzen Punkt am Ort der Entnahme.

Etwa mit Beginn des 18. Jahrhunderts haben wir begonnen Kohlenstoff aus der Erde zu graben und zu pumpen, um damit unsere Hütte zu heizen und noch mehr. Heute wissen wir (hoffentlich), dass dies keine so gute Idee war. Wie dem auch sei, der Kohlenstoff muss dorthin zurück wo er hingehört. In die Erde oder auf jeden Fall so gebunden, dass er unsere Atmosphäre nicht länger so beschädigt, dass die Hütte heiß wird.

Am liebsten würden wir die ganze Geschichte ungeschehen machen und das Rad der Geschichte zurückdrehen zu einer Zeit, als alles begann. Leider sind wir auf diesem Planeten an die Zeit gebunden und können uns nur vorwärts bewegen. Wenn wir also reichlich viel Zeit hätten und ab sofort auf den Kohlenstoff verzichten könnten, dann könnten wir beginnen, den Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu pflücken und ihn dorthin zurückbringen, wo er einmal war: in die Erde. Wäre dieser Vorgang abgeschlossen, dann wäre also alles wie vorher. Wir hätten die Sache ungeschehen gemacht. Wenn ich jetzt einen Blick auf meinen Monitor werfen würde, dann könnte ich sagen: Alles gut, nichts passiert. Das kann ich so oft wiederholen wie ich will und ich würde immer wieder zum Anfang meiner Reise, dem Beginn des Lebenszyklus, über Kohlenstoff zurückkehren. Ich könnte auch mehrmals Kohlenstoff nacheinander entnehmen und mehrmals zurückführen, Hauptsache die Dinge halten sich die Waage.

Leider haben wir aber nicht unendlich viel Zeit und der Erde den Kohlenstoff zurückzugeben ist schwierig. Aber einen Versuch ist es wert. Wir fangen einfach mal damit an. 

Ohne Beschränkung der Allgemeinheit halten wir mal fest: Ab sofort bleibt die Entnahme von Kohlenstoff aus der Erde konstant.

Als erstes machen wir dann mal ein Foto. Wenn dann also am nächsten Tag jemand den Kohlenstoff aus der Erde nimmt und ihn in die Atmosphäre gibt, dann machen wir ein weiteres. Wahrscheinlich stellen wir dann fest: Oh, da ist etwas geschehen. Und so weiter uns so fort. Über die Jahre erhalten wir dann einen Film. Oder wissenschaftlich ausgedrückt eine Zeitreihe. Wenn wir diese Zeitreihe dann etwas näher untersuchen, werden wir feststellen, dass die Änderungen begründet sind. Begründet durch die Entnahme von Kohlenstoff aus der Erde. 

Also gehen wir im nächsten Schritt dazu über, zu fordern, dass Gegenmaßnahmen ergriffen werden, um die Änderungen ungeschehen zu machen. Vielleicht gelingt es uns ja, an eben den Orten, wo etwas geschehen ist, den Ausgangszustand wiederherzustellen. Vielleicht gelingt es uns aber auch nicht. Dafür vielleicht an anderen Orten, dort aber bestimmt. Wenn wir dies genügend lang fortsetzen, dann werden wir irgendwann den Ausgangspunkt zum Zeitpunkt der Entnahme von Kohlenstoff aus der Erde erreicht haben. Damit hätten wir dann die Rückführung von Kohlenstoff nach der Erde erreicht und nichts wäre geschehen. Das Bild auf meinem Monitor wäre zwar kein weißes Rauschen, aber ich könnte rechnerisch darlegen, dass der Kohlenstoff seit Anbeginn seiner Entnahme zurückgeführt ist.

Das ganze dauert bestimmt ewig. Wenn wir symmetrisch arbeiten würden, dann bestimmt so lange, wie wir gebraucht haben, um das Zeugs herauszuholen. Also komprimieren wir den Zeitplan. Dazu verlassen wir die lineare Basis und spielen am Zeitstrahl dadurch herum, dass wir immer genau dann ein weiteres Foto aufnehmen, wenn eine Gegenmaßnahme erfolgreich getroffen wurde. Im besten Fall machen wir also zu einer Epoche mehrere Aufnahmen mit mindestens je einer Gegenmaßnahme. Wenn wir diesen Film dann anschauen, könnten wir rechnerisch beweisen, alles wie vorher.

Jetzt kommt der Teil, den ich nicht kann, aber von dem ich weiß, dass es ihn gibt. Wir brauchen Zufallszahlen. Genauer gesagt Pseudo-Zufallszahlen. Die Aufgabe dieses Generators über Pseudo-Zufallszahlen wäre es, die Positionen von wirksamen Gegenmaßnahmen so zu ergänzen, dass sich insgesamt weißes Rauschen ergibt. 

Damit kann sich der Befehlshaber entspannt im Sessel zurücklehnen und im Anblick von weißem Rauschen entspannt seinen Kaffee schlürfen.

Jetzt ist die Sache die, dass niemand so wirklich einen Anreiz darin sieht, möglichst schnell zu handeln. Dafür bietet es sich an, eine Strategie zum Ausstieg aus dem Kohlenstoff zu definieren, die für eine Maßnahme den abgezinsten Zeitwert einer Maßnahme berücksichtigt. Über die Kurve linear, degressiv oder was weiß denn, ich will ich hier nicht streiten. Grundsätzlich gilt aber: Je schneller desto besser. 

Das wäre mein STRATEGISCHER PLAN für den LANGFRISTIGEN Ausstieg aus dem Zeitalter des Karbons.  

Für Greta.