Macht die Hütte heiß: Holzofen

Veröffentlicht am 

 von 

 in 

Der Sport steckt in großen Schwierigkeiten

Im Kopf meiner Webseite heisst es: Uns bewegt Sicherheit. Also muss ich liefern. Ich tu das mal in einer Größenordnung die ich gewohnt bin und mir kein Kopfzerbrechen bereitet. Also geht es in diesem Beitrag es um die Demokratie. Oder genauer gesagt, dass was von ihr übrig geblieben ist.

Ich hab an anderer Stelle schon einmal erwähnt, dass ich eine Zeit lang für die Sektion Friedrichshafen des Deutschen Alpenvereins als Referent für Öffentlichkeitsarbeit tätig sein durfte.

Wie es sich für gute demokratische Umgangsformen gehört wird dieser gewählt. Ich war ein bisschen aufgeregt, weil: So richtig bekannt im Verein war ich bis dato nicht. Wie dem auch sei: Ich wurde gewählt und erhielt damit ein Mandat, den Verein in der Öffentlichkeit gegenüber den Vertretern der Presse, im Web und auch gegenüber den Mitgliedern zu vertreten. Das hat so leidlich funktioniert. Warum und wieso das so ist, wollen wir hier erst einmal zurück stellen. Aber es hilft einen Kontext zu motivieren, der uns wohl irgendwo abhanden gekommen ist.

Wir wollen uns nicht lange mit den Details herum schlagen und steigen gleich ein in die Analyse eines Szenarios zur Beurteilung der Lage. Dazu begreifen wir die Demokratie als ein beobachtbares Phänomen, das friedliches zusammen Leben demonstriert. Wer mehr über Demokratie lernen möchte, kann dies hier tun.

Die Fakten

Mein Verein hat rund 6000 Mitglieder. Davon sind etwa 300-400 aktiv und beteiligen sich an den Angeboten des Vereins. Freiwillig engagiert sind es rund 150 Personen. Insgesamt hat der Deutsche Alpenverein rund 1.6 Mio Mitglieder, Tendenz steigend. Die durchschnittlich verwendete Zeit für Sport pro Tag beläuft sich in 2022 auf 1:12h pro Tag. In 2012 sind dies nur 0:59h pro Tag.
Im selben Zeitraum fiel die für Medienkonsum verwendete Zeit fiel von 3:03h auf 2:55h pro Tag.
Das Feld für ein Engagement in Umwelt und Naturschutz erfährt in der Zeit von 2000 bis 2009 eine Beteiligung von 4% aller zivilen Organisationen in der Gesellschaft. Seit 2010 sind dies schon 8% aller Akteure. Die Anzahl der Gründungen in diesem Feld des Engagements stieg zuletzt von 13% in der selben Zeit bis auf 36% seit 2010.
Gut die Hälfte der freiwillig engagierte Mitglieder verwenden bis zu zwei Stunden pro Woche für ihre Tätigkeit im Verein. Der Rest drei Stunden und mehr.

Die Ergebnisse des Berichts über die Entwicklung des Sports erspare ich uns hier Mal. Die Studie hat so viele fachliche Mängel, dass es mir die gute Laune verdirbt. Denn so wie es die Mitarbeitenden und Verantwortlichen des Instituts zur Wissenschaft über den Sport schildern und begreifen, scheint Demokratie wohl eine Funktion zu sein. Vielleicht nur soviel: Es scheint allen Vereinen mit Angeboten zum Sport zunehmend schwer zu fallen, Nachwuchs oder Menschen für administrative Aufgaben zu gewinnen.

Schließlich benötigen wir noch die Höhe der Mittel des Bundes für das Programm „Demokratie leben“. Laut Wikipedia (Angaben habe ich hierfür nicht überprüft) stieg das Budget von 40,5 M€ in 2015 auf zuletzt stabile 182 M€ in 2024. LINK WIKIPEDIA

Fassen wir zusammen: Weniger Medienkonsum, mehr Sport, steigendes Engagement im Natur & Umweltschutz & Sport, steigende Investitionen des Bundes.

Um begreifen zu können was da eigentlich vor sich geht benötigen wir ein andere Einstellung.

Atens

Unser Verständnis über die Aufgabe eines gemeinnützigen Vereins ist fehlerhaft und grob gesagt bösartig. Erklärter Wille der Regierung ist es, durch Engagement im Verein sozialen Zusammenhalt zu stiften und das Vertrauen in demokratische Prozesse zu stärken. All dies seien Grundlagen für einen stabilen und solidarischen Rechtsstaat.

Richtig ist:

Vereine sind Inkubatoren gesellschaftlicher Missstände. Sie sind Refugien oder Schutzorte für etwas dessen wir bedürfen was wir selbst und ohne fremde Hilfe aber nicht finden oder erfahren können. Das betrifft auch den Sport. Denn wenn es den einen Markt für den Breitensport gäbe, hätte jeder Fußballverein seinen eigenen Sportplatz. Die Ökonomen sprechen hier von Marktversagen. Hierbei sind demokratische Strukturen eines Vereins wie sie im Gesetz über die Rechte der Bürger ausgelegt werden essenzielle Voraussetzung, um die Entwicklung von Fehlern in der Gesellschaft – oft zarte Pflänzchen genannt – detektieren und aufdecken zu können.

Betens

Die Ausprägung des Verständnis zur Demokratie im Sport ist fehlerhaft und grob gesagt staatsgefährdend. Demokratie ist keine Funktion.

Richtig ist:

Demokratie ist ein beobachtbarer Effekt der so lange in uns wohnt, bis wir das Haus Deutschland verlassen. Ganz einfach und nicht mehr.

Wenn ein Staat nun beobachtet, dass die Demokratie in Bedrängnis gerät, greift er zum äussersten Mittel und investiert in sich selbst durch Steuern, um Herr der Lage zu werden.

In diesem Verständnis kann es uns nun besser gelingen zu begreifen wie groß der Schaden ist, den wir da aktuell anrichten.

Damit die Analyse weitegehen kann rufen wir ein Szenario zur Hilfe. Es ist ein bisschen extrem, zeigt also extermistische Bestrebungen. Das ist hier aber nötig und sogar geboten, um den Ernst der Lage zu erkennen:

Angenommen:

In einer perfekten Welt gäbe es keine gesellschaftlichen Misstände. Alle Menschen wären mindestens zufrieden, vielleicht sogar glücklich und niemand würde sich zusammenrotten, um mit dann vereinten Kräften und gesetzlich verbrieften Rechten gegen einen nicht erkannten Misstand zu kämpfen.

Wenn wir dann Vereine als die Keimzellen gesellschaftlicher Missstände begreifen geschieht folgendes: Alle Mitglieder von Vereinen sind Opfer oder für meinen Fall genauer gesagt erbringen das Opfer freiwilligen Engagements für etwas, dass sie allein und ohne fremde Hilfe nicht erlangen können. Im Deutschen Alpenverein (es ist nur ein Gedankenspiel) erbringen also zur Zeit 1.6 Mio Menschen ein Opfer in dem sie Ihre Zeit oder/und ihr Geld für den Verein investieren. In meinem Verein sind dies also 6.000 Menschen mit 1 Mitgliedsbeitrag pro Jahr, 300 Menschen zu je mindestens 1 Teilnahme an Angebot pro Jahr inklusive Gebühren und schließlich 150 Menschen zu rund 2 Stunden pro Woche freiwilligen Engagements.

Tja, da hätten wir dann den Salat: 

Unsere Demokratie beklagt Opfer, hohe Opferzahlen und das mit steigender Tendenz. Und nicht nur das, diese Opfer werden auch noch geschröpft oder zur Ader gelassen, in dem ihnen Beiträge zur Mitgliedschaft zur Last gelegt werden.

Bis hier hin ist die Angelegenheit einigermaßen trivial. Wir müssen noch nicht einmal rechnen, weil die Logik die Richtigkeit der Annahmen es gebietet.

Ab hier folgt nun Nachhilfe (erste Hilfe) im Dienste der Wissenschaft über die Theorie zur Information. Dafür verwenden wir wiederum ein Szenario mit dem schönen Titel „Was wäre wenn“.

Wenn ich Kriegsminister wäre und mein Volk als Soldaten und Soldatinnen angetreten wären, um die Werte der Demokratie zu verteidigen, dann hätte ich dazu gerne einen Bericht über die Lage. Am besten täglich. Habe ich keinen solchen Bericht, kann ich keine Entscheidungen treffen. Genauer formuliert kann ich ohne Bericht überhaupt nichts treffen, denn am liebsten würde ich immer und überall die richtige Entscheidung treffen. Und das gelingt mir nur, wenn ich gut informiert bin.

Mit einem Bericht zur Lage.

Jetzt ist die Sache die, dass ich mein Mandat niedergelegt habe und vom Amt zurück getreten bin. Die Gründe hierfür sind vielfältig, ich will nur ein paar wesentliche nennen: Es gelang uns nicht, Nachwuchs oder weitere Mitstreiter für Öffentlichkeitsarbeit im Verein zu gewinnen. Es gelingt uns nicht in angemessener Form und Zeit wichtige Information über geeignete Kanäle und Netze zu verbreiten. Es ist nicht möglich ohne Hilfe Dritter Erlebnisse wirksam zu externalisieren um diese schließlich authentisch den Menschen verfügbar zu machen. Alles was das Team und ich erfahren haben war schlechte Laune und Enttäuschung. In diesem Strudel negativer Emotionen hab ich dann die Reißleine gezogen und bin nach Bericht einer Betriebsstörung kontrolliert ausgestiegen.

Auf Deutsch: Der Bericht zur Lage fällt leider aus. 

Oder genauer gesagt: Entzieht sich der Kontrolle des Staats. Das ist ungleich gefährlicher, denn wenn kein Licht auf eine Keimzelle gesellschaftlicher Missstände geworfen wird, dann wird die Lage brenzlig.

Ich hab eine Zeit lang überlegt, ob ich eine gemeinnützige Firma gründen sollte, eine die es sich zur Aufgabe macht als externe und stützende Struktur hier dem Verein so unter die Arme zu greifen, dass die Öffentlichkeitsarbeit (so der Titel), ich würde Heute sagen wirksame Kommunikation, wieder Laufen lernt. Ich hatte sogar erwogen mich hierfür mit dem Württembergischen Sportbund hierzu abzustimmen, um dann vielleicht irgendwann einmal Mittel aus dem Programm Demokratie Leben zu akquirieren und damit meinen Laden ans Laufen zu bringen. Aber ich habe anders gewählt.

Die Missstände im organisierten Sport, besonders mit Blick auf das Verständnis von Demokratie durch effektive Kommunikation sind so groß, dass alles was ich tun kann ist, dem organisierten Sport zu schaden.

Es beginnt mit den Lizenzen des Deutschen Olympischen Sportbundes zum Vereinsmanager. Wenn ich Sportvereine als Keimzellen gesellschaftlicher Missstände begreife und beginne diese zu Managen, also im Verein zu bewältigen, dann muss Demokratie versagen. Jeder Unternehmer der weiß, dass sich in seinem Laden untragbare Risiken befinden, wird, um das Überleben der eignen (möglicherweise juristischen) Person zu garantieren, Alles tun, um diese Misstände zu unterdrücken oder mindestens zu leugnen.

Wenn ich mich gegen die Wissenschaft des Sports, vertreten durch ein Institut der Bundesrepublik Deutschland wende, kann nichts anderes geschehen, als den etablierten Prozessen und den hierin engagierten Menschen im Ansehen zu schaden. Mein Verhalten wäre destruktiv und würde akademische Weihen in Frage stellen. Also lasse ich es sein.

Und letztlich bliebe der Sponsor selbst, das Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem ich zum Vorwurf machen müsste: Sag mal, geht es noch? Zunehmend mehr Steuergelder an die eigenen Organe?

Ich trete zurück aus der Öffentlichkeitsarbeit für den organisierten Sport in Deutschland und ziehe in den Krieg.

Anmerkung

Wem die zuvor genannte Darstellung zu bruchstückhaft oder unvollständig erscheint, dem gebe ich folgendes mit. Dies hier ist ein Vorfall. Ein Vorfall über eine unerkannte Bedrohung der Demokratie im Sport. Er ist Teil eines Programms zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in unserem Land. Dieses Programm ist Teil der Strategie unseres Landes in der Welt.

Für alle die, die sich mit Vorfällen zur Beschäftigung auskennen: Dies ist ein Vorfall zur Kriegsführung. Mal sehen ob wir den gewinnen. Sieht nicht gut aus.